Leben in Andalusien

LICHT AN!

Leuchten, 7 Wochen ohne Verzagtheit

Vorneweg-Worte

LICHT AN! Was eine Provokation! In Zeiten, in denen es rund um die Uhr um Energiesparen geht und wir ständig an “Licht aus!” denken, heißt es hier auf einmal Licht an! Was es damit auf sich hat, darum geht es in diesem Beitrag.

Eine besondere Form des Fastens

Ich möchte keine 7 Wochen ohne Schoki, ohne Kuchen, ohne Computer, ohne Handy und all die anderen Dinge sein, auf die in der Fastenzeit verzichtet werden kann. Traditionell wird Fasten allerdings so verstanden. Be- oder gar abwerten möchte ich diese Form keineswegs. Ich möchte nur von einer weiteren erzählen, die das Spektrum der Möglichkeiten erweitert. 

Ralf Meister: Die Fastenzeit ist kein Verzicht um des Verzichts willen

Ein Kalender anderer Art

Mich begleitet durch diese Zeit seit vielen Jahren ein ganz besonderer Wandkalender der Aktion 7-Wochen ohne, in dem es nicht um Verzicht auf Dinge oder Genuss geht. 

Dieser Kalender fordert auf eine andere Weise heraus. Wenn ich mich einlasse, dann ermöglicht er, meine Gewohnheiten zu modifizieren, meine Denkmuster zu hinterfragen, vielleicht gar Beschränkungen aufzulösen. 

Das jeweilige Thema offenbart, worum es gehen wird. Zwei Beispiele aus vergangenen Jahren:

  1. Ich war’s, sieben Wochen ohne Ausreden   
  2. Augenblick mal, sieben Wochen ohne sofort

Leuchten, sieben Wochen ohne Verzagtheit!

So das Thema in diesem Jahr, in 2023. Bisher habe ich mir nur die ersten beiden Seiten angeschaut, das Vorwort sozusagen und das “Inhaltsverzeichnis”. Jede Woche hat einen anderen Schwerpunkt. Im Grunde sind es Schritte, die aufeinander aufbauen und die man gehen kann, wenn man denn möchte

 

  • Licht an!
  • Meine Ängste
  • Was mich trägt
  • Und wie ich strahle!
  • Wir gehen gemeinsam
  • Durch die Nacht
  • In den Morgen

Licht an!

Über der ersten der sieben Wochen steht ein Imperativ, eine Aufforderung, fast ein Befehl. 

Mir gefällt dieses LICHT AN unabhängig vom biblischen Zusammenhang (Genesis 1) außerordentlich, sogar so sehr, dass ich es mit einem Kreidestift auf den Spiegel im Bad geschrieben und für die Wohnungstür das Plakat unterhalb dieses Abschnitts erstellt hab. Es wird mich mindestens durch die Fastenzeit begleiten. (Quelle des Fotos:  Pixabay ,vielen Dank dem Fotografen.) 

Physikalisch betrachtet existiert Dunkelheit nicht, sondern ist lediglich die Abwesenheit von Licht. Im übertragenen Sinne kann das bedeuten, dem Dunkel die Aufmerksamkeit zu entziehen, den Blick zu weiten auf das Lichte. Denn das, wohin wir unsere Aufmerksamkeit hinlenken, verstärkt sich. Sehe ich in einer Situation nur noch die Schattenseite, wird der Schatten wachsen.

Erinnerungshilfe

Corona, Krieg und Klima

Zum einen Corona, zum andern der anhaltende Krieg in der Ukraine und über allem die sich verstärkenden und immer offensichtlicher werdenden gravierenden Probleme um das Klima sind wahrlich keine Stimmungsaufheller. Manch einer fühlt sich mutlos, weil es scheint, die Menschheit als Ganzes betrachtet mache kaum Fortschritte – emotional begabt und emotional belastet, wie sie nun mal ist.

In den Medien werden uns fast ausschließlich schlechte Nachrichten ins Haus geliefert, Dramen und Katastrophen. Die guten fallen unter den Tisch. Dabei gäbe es sie! Für mich habe ich schon länger entschieden: Solange ARD und ZDF nicht bereit sind, wenigstens ein Drittel ihrer Zeit in den Nachrichten dem Guten und Schönen zu widmen, tue ich mir das alles nicht mehr an. 

Damit leugne ich keineswegs bestehende Probleme, ganz im Gegenteil. Ich suche nach Möglichkeiten, was ich wie und wo in meinem Umfeld verändern kann. Es gibt so gute Podcasts, wo ich Informationen bekomme. DasPhilosophische Radio” vom WDR ist einer davon. 

Nur ein Beispiel

Es ist wirklich nur ein Beispiel und austauschbar mit vielen anderen, die dem in nichts nachstehen und ebenso Zukunftsweisendes tun, was publiziert werden müsste!

Warum wird nicht in regelmäßigen Abständen darüber berichtet, wieviele Bäume wieder über Tree-Nation gepflanzt wurden. Insgesamt sind es bisher 29.000.000 in bald 80 Projekten rund um den Globus. Die CO2 Kompension beträgt bereits 3.869.523.221 kg, von den positiven sozialen Auswirkungen ganz zu schweigen. Warum wissen nur wenige Menschen davon? Die Antwort ist einfach: Weil darüber kaum berichtet wird. Vielleicht würde es mehr Menschen zum Baumkauf animieren, mehr Volontäre mobilisieren, mehr Städte und Gemeinden animieren, etwas Vergleichbares in ihrem Umfeld zu tun. 

Wieviele Sekunden kostbarer Sendezeit brauchte es dafür? 

Vor wenigen Tagen hat mich eine berührende Nachricht erreicht: Mein erster gepflanzter Baum, den mir Rollei bei einem Kauf schenkte, feiert seinen ersten Geburtstag. In der Zwischenzeit habe ich für 44 Bäume gespendet, für 40 davon ganz in unserer Nähe.

Drei Dinge aus dem Paradies

Im Vorwort des Kalenders findet sich ein Zitat: Drei Dinge sind uns aus dem Paradies geblieben: Die Sterne der Nacht, die Blumen des Tages und die Augen der Kinder. Es wird Dante Alighieri zugeschrieben, aber Genaues wisse man nicht, sagt der Verfasser, Ralf Meister (Landesbischof in Hannover).

Vom Zauber der Sterne

Ich kenne niemanden, der nicht ergriffen ist von einer klaren Nacht, die einen Blick auf ungezählte Sterne ermöglicht. Es hat etwas Erhabenes, den Sternenhimmel zu betrachten und ist mir noch nie langweilig geworden. Es fällt mir immer schwer, den Blick abzuwenden. Allein der Schmerz im Nacken … 

Ich denke an eine Nacht im August, in der wir weiter auf’s Land hinaus an einen höher gelegenen Ort fuhren mit weniger Lichtverschmutzung. Wir wollten wenigstens eine Sternschnuppe der Perseiden fotografisch festhalten. Insgesamt zählten wir staunend mehr als fünfzig. Doch die Fotorucksäcke blieben geschlossen. Schauen war vollkommen ausreichend. 

Dieses Bild ist an einem anderen Tag an einem anderen Ort entstanden.

Vom Zauber der Blumen

Blumen sind das Lächeln der Erde. So sagte es Ralph Waldo Emerson. Ich ertappte mich besonders in Deutschland dabei, wie ich sofort “zurücklächelte”, besonders wenn im Frühling die ersten farbenfrohen Blüten das nahe Ende des Winters ankündigten. Für drinnen kaufte ich eh jede Woche nicht nur einen Strauß.

Licht an - eine 2.000stel Sekunde genügt

Hier im Süden Spaniens blüht nun das ganze Jahr immer etwas. Das erlebe ich wie ein Wunder und freue mich hier zu sein. 

Blumensträuße kaufe ich nicht mehr. Hin und wieder gibt es eine Rose, nur eine, vom Rosenstock geschnitten. Und ich fotografiere sie hin und wieder, die Blumen, reine Kunstwerke der Natur. Fotografieren heißt “Malen mit Licht”. Manchmal genügt eine für uns unvorstellbar kurze und nicht wahrnehmbare Zeit an Lichteinfall, etwas Schönes erwachsen zu lassen. 

Kinderaugen

Nun ja, da bin ich mir nicht so ganz sicher, ob ich Dante zu 100% zustimmen kann. Es scheint mir etwas verklärt und idealistisch. 

  • Ich sehe auch die eher ängstlichen Kinderaugen, wie derzeit die der Kinder in der Ukraine, denen das Paradies der Kindheit weggebomt wurde und immer noch wird. (Wenn es denn überhaupt so etwas wie ein “Paradies der Kindheit” gibt. Aber das ist ein anderes Thema.) 
  • Allerdings unter der Aufforderung “Licht an!” lenke ich meinen Blick auf Kinder, deren Augen strahlen. Sei es, weil ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung ging; sei es, weil es gelungen war, etwas selbst zu bewältigen; sei es, weil es sich voller Vertrauen von einer Erhöhung in die Arme von Mutter oder Vater fallen ließ; sei es, weil es eine warme Mahlzeit gibt …

Verzagtheit - Mut - Zuversicht

Der Titel in diesem Jahr verrät, es wird um Verzagtheit gehen. Das Wort Mut taucht in der Wochenübersicht auf. Ich möchte beiden gern Zuversicht an die Seite stellen.

Verzagtheit

Verzagtheit kenne ich besser als mir lieb sein kann. Ich bringe sie aufgrund eigener Erfahrung mit im besten Falle vorübergehender Hoffnungslosigkeit in Verbindung. Wieso? 

Mit 60 klappte ich wegen völliger Überarbeitung zusammen und landete in einem Burnout. In der Folge erlitt ich eine, wie es so hieß “Angststörung” mit zum Glück nur leicht depressiver Tendenz. Ich war kaum in der Lage meinen Alltag zu bewältigen. Einkaufen war Schwerstarbeit. Das Schlimmste war, an der Kasse warten zu müssen. 

Ein Spaziergang um das schöne Schloß Moritzburg herum kostete Überwindung. Ich wusste nicht, ob es je wieder anders werden oder wie lange es anhalten würde. Alles schien zu stagnieren. Ich fühlte mich hoffnungslos und ziemlich verzagt. 

Schloß Moritzburg - der Park war mein "Übungsfeld"

Nach einigen Monaten konnte ich zur Reha in die “Burg” in Stadtlengsfeld. Mir war nicht klar, wie ich die Fahrt bewältigen sollte. Doch ich war dankbar und froh, dass etwas in Bewegung kam, dass ich in einem geschützten Rahmen wieder Vertrauen in meine Kräfte entwickeln durfte. Rückblickend kann ich sagen: Es war das Beste, was mir in der Situation geschehen konnte.

Damals hatte ich Sorge, die Fahrt über gut 300 km nicht zu schaffen. Zwei Jahre später bin ich bald 3.000 km nach Spanien aufgebrochen. Man fand mich mutig und als ich mich für Spanien als Lebensort entschied, noch mutiger. Aber ist da mutig das richtige Wort? Ich glaube nicht ganz. 

Mut und Zuversicht

Ich glaube in der Zwischenzeit Mut und Zuversicht sind ein untrennbares Paar, das sich gegenseitig bedingt. Vielleicht ist Zuversicht verstanden als Haltung gar die Basis auf der sich Mut entwickelt. 

Sich seinen Ängsten zu stellen, erfordert ein gerüttelt Maß an Mut. Aber hätte ich es gemacht ohne Hoffnung, ohne Zuversicht auf die Möglichkeit einer besseren Zukunft? Ich kann mir kaum vorstellen, dass jemand etwas schwierig Erscheinendes wagt, wenn da nicht die Zuversicht wäre, dass es auch gelingen kann. Natürlich kostet manches Überwindung, natürlich löst manches Herzklopfen aus und natürlich ist auch ein Scheitern möglich. Es hätte ganz anders kommen können hier in Spanien. 

Ist es aber nicht!

Hintendran-Worte

  • Ich habe in diesem Beitrag sehr Persönliches preisgegeben. Vielleicht hilft es dem einen oder der anderen.
  • Wie haltet ihr es? Was bringt Licht in euer Leben? Wo verbreitet ihr Licht? Ich würde mich freuen, darüber in den Kommentaren mit euch ins Gespräch zu kommen. 
  • Noch ein Hinweis: Es gibt eine Facebook-Gruppe, in der man sich einbringen und mit anderen ins Gespräch kommen kann. 
  • Und hier kommt man zur Fastenmail. Die erste war schon mal klasse!
  • Allen eine gute Zeit und nicht vergessen: Licht an!

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2 Antworten

  1. Hallo Ramona,
    Mut und Zuversicht sind ein untrennbares Paar.
    Das sind vielsagende Worte die jeder für sich in Anspruch nehmen kann.
    Interessante Erzählungen.
    Liebe Grüße Gerold

    1. Danke Gerold, freut mich, wenn dir der Beitrag gefallen hat. Ich hatte mich schon länger mit “Zuversicht als Grundhaltung” beschäftigt und dann kam noch die Predigt. So ist es manchmal. Liebe Grüße, r

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