Leben in Andalusien

DIE ENTSCHEIDUNG

Vorneweg-Worte

Nun war es endlich so weit. Es sollte losgehen. Ich hatte beruflich noch am Bodensee zu tun. Deshalb startete ich von da aus ins Abenteuer Andalusien. Voller Freude ging es los. Wie würde es sein? Aber ernste Sorgen machte ich mir nicht. Noch hatte ich keine Ahnung, welche Entscheidung auf mich zukommen würde. 

Kleiner Rückblick auf die Fahrt

Meine Sorgen, was die Fahrt ins Ferne Andalusien betraf, waren unbegründet. Ein lieber Freund fuhr mit mir zusammen her, blieb ein paar Tage und flog dann zurück. Damals war ich dankbar. Später dachte ich manchmal, allein zu fahren, wäre auch nicht falsch gewesen. Dann wäre es wirklich mein Weg gewesen. Schlussendlich war es aber sehr gut so! All meine Sorgen hinsichtlich möglicher Wadenkrämpfe und was noch alles lösten sich in Wohlgefallen auf. Ich fühlte mich sicherer.

Die Fahrt verlief ohne alle Zwischenfälle, wenn man von dem Abend absieht, an dem ich panisch nach meinem Handy suchte. Es befand sich in meiner Hosentasche …

Das Foto oben ist das letzte Foto aus Deutschland. Ich habe es von der Fähre über den Bodensee rückblickend nach Deutschland aufgenommen. 

Erste Eindrücke

Wir fuhren durch wunderschöne Gegenden und erschreckende Außenbezirke großer Städte. Kamen durch wunderhübsche kleine Orte und durch weniger ansprechende. Ich hoffte dann immer, dass Almuñecar anders sein würde. Der letzte Ort, in dem wir übernachteten war einer der schönen und das Hotel war zauberhaft. Hilfreich war, dass der Parkplatz nachts bewacht wurde, man also nicht alles ins Zimmer schleppen musste. Es gab zudem einen kleinen Weg, der direkt zum Strand führte, trotz Dunkelheit: Ein Traum! 

Zum Frühstück am nächsten Morgen genoß ich das erste “Tostada con aceite y tomates”.

Angekommen in Spanien
Der Innenhof des Hotels, dessen Name ich leider nicht mehr weiß. Schade, denn ich würde bei Bedarf jederzeit wieder dort übernachten.

Die Ankunft

Was eine Aufregung als ich den Ort von oben sah. Er schien sehr viel größer, als ich vermutet hatte. Eine kurvenreiche Straße führte nach unten und ich dachte: “Die muss ich immer hoch, wenn ich mal wohin möchte!” Der Ort ist von Bergen umzingelt. 

Und dann war ich endlich da, am Paseo San Cristóbal, am Mittelmeer. Die Sonne schien, die Palmen palmten und ich war glücklich. 

Die überaus netten Vermieter standen auf dem Balkon, winkten und signalisierten damit “Hier bist du richtig!” Und so war es dann ja auch!

Blick auf den Paseo San Cristóbal, an dem meine Wohnung lag.
Blick vom Wohnzimmer über Balkon, Strand und Meer

Die ersten Tage allein

Ich befand mich bildlich gesprochen trotz strahlender Sonne wie im Nebel und musste mir nun Stück für Stück Schneisen in ebendiesen bahnen. Wo war noch gleich die Straße xyz, wo das Rathaus? 

Freunde aus Deutschland fragten mich nach kurzer Zeit, wie denn die Alhambra nun so sei, die hätte ich doch bestimmt schon gesehen! Darauf konnte ich nur müde lächeln. Ich war ja froh, den hiesigen Markt zu finden, ohne mich zu verlaufen. Es galt zunächst den Alltag komplett neu zu organisieren. Der Ausflug zur wunderschönen und beeindruckenden Alhambra kam dann später mit Sohn und dessen Freundin. 

Drei Monate nach meiner Ankunft

Weihnachten lag hinter mir, das neue Jahr hatte begonnen. Wehmütig dachte ich an meine Abreise, die langsam aber stetig näher rückte. Gern würde ich wiederkommen. Mir war allerdings klar, dass ich finanziell nicht in der Lage wäre, über mehrere Monate im Jahr zwei Wohnungen zu finanzieren. Unabhängig davon erschien es mir auch nicht machbar, die nächsten Jahre jeweils mehr als 5.000 km auf Autobahnen von Deutschland nach Spanien und zurück unterwegs zu sein, denn ich fliege nicht. Eine Entscheidung musste her, die mir nicht nur eine schlaflose Nacht bescherte. Eine Entscheidung, die mein Leben eventuell fundamental verändern würde. Was ging mir doch alles durch den Kopf. Vor allem: 

Immer schon habe ich besonders das Meer geliebt, etliche Tage an der Ostseeküste verlebt, nach der Grenzöffnung besonders auf Rügen. Wäre Rügen eine Alternative? So ging es eine kleine Weile rauf und runter. 

Das weihnachtlich geschmückte Rathaus von Almuñecar

Ich bleibe

Dann kam der Morgen, an dem ich wusste: Ich bleibe. Die Entscheidung war gefallen, das gedankliche Hin und Her hatte ein Ende. In Absprache mit meinem Sohn kündigte ich meine Wohnung. Bis heute bin ich ihm und lieben Freunden überaus dankbar, die Auflösung für mich gemacht zu haben. Vieles behielt er, anderes wurde verschenkt, weniges verkauft, manches entsorgt.

In Deutschland hatte ich in der Weihnachtszeit immer die ersten Frühlingsboten im Haus.

Wohnungslos

Was mich etwas nervös sein ließ: Die Wohnung in Deutschland war gekündigt, meine Langzeit-Ferienwohnung nicht ganzjährig zu mieten und man hatte mir gesagt, es sei nicht ganz leicht Mietwohnungen zu finden. Trotz meines Optimismus war es ein seltsames Gefühl, nicht zu wissen, wie und wo ich werde leben können. Das sollte etwa vier Wochen so blieben. 

Die ersten beiden Besichtigungstermine waren erfolglos. Ich wollte nicht unmittelbar über einem Tennisplatz wohnen. Zum zweiten Termin erschien der Vermieter nicht. Schade, denn die Lage hatte mir sehr gut gefallen. 

Alles wird gut

Der dritte Termin klappte. Ich fand über das digitale Anzeigenblatt “Milanuncios” (1.000 Anzeigen) ein kleines, bezahlbares Reihenhaus mit herrlichem Blick über die Bucht von Velilla. Ein wunderschöner Pool gehörte zur Siedlung. Das Häuschen sollte nur einen Haken haben, den ich ahnte aber ignorierte, weil ich unbedingt die Sicherheit brauchte. Die Sonne schien aufgrund der Ausrichtung des Hauses ein halbes Jahr nicht direkt in die Wohnung. Das war deutlich länger, als ich befürchtet hatte. Man unterschätzt leicht den andalusischen Winter. Ohne Sonne kann es unangenehm “schattig” werden. Geheizt wurde leider kostenintensiv über die Klimaanlage. Aber egal, ich hatte einen Vertrag in der Hand und einen Schlüssel in der Tasche. Heute wäre ich gelassener und würde weiter suchen. Und ich empfehle jedem, ganz genau zu schauen..

Der ganz oben in der Siedlung für alle Bewohner gelegene Pool. Hier sind die Berge hinter mir zu sehen, während ich auf die unendlich scheinende Weite des Meeres schaute.
Der Blick vom Parkplatz, der meine Terrasse werden sollte.

Möbel sind meist da

Wohnungen werden fast ausschließlich möbliert vermietet. Das bedeutete in meinem Fall, das Wohnzimmer war ausgestattet, Sofa und TV waren da, ein gutes Bett stand im Schlafzimmer bereit, von dem aus ich auf’s Meer schauen konnte. Es gab gepflegte eingebaute Kleiderschränke, die offene Küche war möbliert mitsamt Kühlschrank und Waschmaschine. Oft sind sogar Küchenutensilien etc. vorhanden.

Doch da war kein Teller, keine Tasse, kein gar nichts. Dem schwedischen Möbelhaus in Málaga stattete ich nicht nur einen Besuch ab. 

12 Kisten

14 Umzugskisten wurden auf den Weg nach Spanien geschickt. 12 davon kamen an. Von meinem gesamten bisherigen Leben blieben also gerade 12 Kisten übrig. Ich hatte kein imposantes Bücherregal mehr, wenig Garderobe, kaum Geschirr. Nur Teller und Schüsseln, die meine jüngere Tochter Stück für Stück im Flieger aus Israel mitgebracht hatte. Und meine Küchenmaschine, die heute bald 35 Jahre zählt und immer noch brav ihren Job macht. Weihnachtliches hatte man mir vorher schon geschickt – also doch 13 Kisten.

Was eine Freude, dass alles heil geblieben war.

Meine "Parkplatzterrasse"

Da das Haus an einen Hang gebaut war, befand sich die Eingangstür oben. Zu den Wohnräumen ging es abwärts. Ebenso oben war der großzügige für zwei Autos angelegte Parkplatz. Den funktionierte ich in eine Dachterrasse um. Die half dann auch im Winter sehr, weil da schien die Sonne. 

Ich fühlte mich sehr wohl, hatte eine Wohnung, gute Kontakte, kannte mich nun schon viel besser aus und begann darüber nachzudenken, mir einen kleinen Hund zuzulegen. 

Wie das wurde, darüber schreibe ich bald.

Meine Parkplatz-Terrasse mit den ersten Pflanzen. In einigen Monaten würde ich die ersten Orangen pflücken können.
Das war die erste und es fühlte sich super an, eine Orange vom eigenen Orangenbäumchen gepflückt zu haben.

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